Dienstag, 21. Oktober 2014

Der Tod, dieser schreckliche Spaßvogel


Der Tod ist heikel. Wenn er sich ins Gespräch bringt oder von jemandem eingeschleppt wird, beginnt der Ernst. Die letzten Friedhofsbesuche sind kein Smalltalk-Thema. Überall liegen Schlipse, die betreten würden, sobald man flapsig über das Thema spricht oder schreibt.

Bei Günter Jauch ging es am vergangenen Sonntag um Sterbehilfe, das für mich ein Aufreger-Thema ist. Ich war selbst überrascht, ich blieb nach dem Tatort dort hängen. Überrascht, weil mir das bei Jauch nur äußerst selten passiert, überrascht noch mehr, weil ich das Thema im Fernsehen schlecht ertrage. In der Regel spricht man über dieses Thema am liebsten vollkommen uninformiert oder vollkommen intim. Das ertrage ich beides nicht. Überhaupt ist das ganze Thema ja nicht zu jeder Zeit gut konsumierbar. Beim Glas Rotwein noch Jauch über Sterbehilfe – eher nicht. Aber die Runde sprach wirklich sehr ernst, sehr nachdenklich, sehr gut informiert über das Thema.

Ausgerechnet der Tod macht nun Werbung für meine kleine Erzählung, für die ich eine Finanzierung suche. Warum ausgerechnet dieser Lümmel? Schrecklich habe ich das kleine Bild genannt, aber es soll auch irgendwie zu meinem Textchen passen, schrieb ich. Dabei wird in der Erzählung nicht ständig gestorben. Das Bild gefällt mir aus einem sehr bestimmten Grund, es erinnert mich an die berühmten Totentänze.

Unerfreulich, wenn aus dem Spiegel, der Tod herauslächelt. Das Bild ist eine Aquarellkopie des Basler Totentanzes aus dem 15. Jahrhundert.  

Die ersten bildlichen Darstellungen von Totentänzen stammen wohl aus dem späten Mittelalter. Immer muss bei diesen Darstellungen der Papst dran glauben und der König natürlich, meistens auch eine schöne Jungfrau oder ein reicher Kaufmann. Der Tod macht alle gleich. Das ist eine Warnung und ein – äußerst makabrer – Trost: Irgendwann stirbt auch Angela Merkel. Oder Paulo Coelho. Und im Tod sind alle gleich.

Das hat allerdings rein gar nichts damit zu tun, jemandem den Tod zu wünschen. Das verdeutlichen ja die Totentänze: Der Tod lädt ALLE ein zum Tanz. Und Niemandem bleibt etwas. So ein Ernst passt nun zur Vorstellung des Mittelalters, wo alle zu ernst lebten, zu wenig Urlaub machten, zu viel arbeiteten und zu viel starben. Doch es ist ein Tanz, ein lustiger Tanz. Wie ernst soll man diesen lächerlichen Tod denn nehmen mit seiner Tröte. Da versinke ich doch nicht in trübsinniger Betrachtung, das ist tatsächlich witzig dargestellt.


 
Aus dem Vergänglichkeitsbuch von Wilhelm Werner von Zimmern, Mitte 16. Jahrhundert. 

Es ist also beides zugleich: Der ungeheuerliche Ernst und der Spaß, der leicht darüber hinweggehen könnte. Und genau das gefällt mir. Nicht dass ich einen Totentanz mit meiner Erzählung geschaffen hätte. Es ist dieses Spiel, hinter dem der Ernst lauert. Oder ein Ernst, über den man jederzeit ganz leicht hinwegspringen kann. Genau das fasziniert mich. Und auch das machte die Jauch-Runde zu einer besonderen Talkrunde, als Thomas Gottschalk bemerkte, er möchte unbedingt 100 Jahre alt werden und hat schon Panik, wenn er an seinen 65. Geburtstag denkt.


 
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Da ich unterschätzt hatte, dass Crowdfunding manchen natürlich noch unvertraut ist, eine Anmerkung: Das kleine Büchlein wird es nur geben, wenn das Finanzierungsziel erreicht wird. Sonst kommt das in die Tonne. Es ist eine Vorbestellung, die also scheitern könnte. Das ganze ist allerdings risikofrei: Das gesamte Geld erhält man von Visionbakery zurück, falls die Finanzierung nicht zustande kommt.

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